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Tagestouren Zweiter Versuch: Kunstgussmuseum am 03.10.2017
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Flying Crosstourer ✦✦✦✦
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Anmeldedatum: 31.03.2017
Beiträge: 14
Wohnort: Potsdam   
BeitragVerfasst am: 07.10.2017, 13:33   Titel:

Hallo,
lieber spät als nie. Es war leider vorher keine Zeit.
Die Tour war total Klasse, danke Ralf für die super Planung.
Es hat wieder alles gepasst. Super Wetter, leckeres Essen und ein sehr interessantes Ziel.

Viele grüße Thomas
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RaBe ✦✦✦✦
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Anmeldedatum: 01.06.2015
Beiträge: 448
Wohnort: Berlin   
BeitragVerfasst am: 08.10.2017, 18:08   Titel:

Im zweiten Anlauf, nachdem der Wahlsonntag völlig verregnet war, trafen sich Bernd, Christian, Jürgen, Lutz, Ole, Ralf (Ralkam), Ralf (Siero), Ron, Stefan, Thomas (Balu), Thomas (Flying Crosstourer) und ich am Bakersdrive Süd, um gemeinsam in die Niederlausitz aufzubrechen.



Ein Kaffee, wer mochte noch ein kleines Frühstück und dann zog es uns hinaus zu den Mopeds.



Einer fehlte noch um 9:30 Uhr



Als dann endlich alle versammelt waren, ging es los.



Die Richtung: Süden! Das Ziel: Lauchhammer! Um zügig etwas Strecke zu machen nahmen wir zunächst die Autobahn





bis Abfahrt Waltersdorf



dann ein Stück B179, die wir schon bald wieder verließen



um uns bei Schenkendorf in die Büsche zu schlagen









Über Krummensee, Motzen, Töpchin erreichten wir Tornow, wo wir vor den Toren des örtlichen Schützenvereins unsere Einreihpause einlegten.





Allzu viel gab es nicht, in die Reihe zu bringen. Wohl waren die vier Wochen Tourpause zu merken, wobei die teils etwas ungewohnte Linienwahl sicherlich eher den Straßenverhältnissen geschuldet war. Anfangs gab es noch reichlich nasse Stellen und auch nicht wenig Laub auf der Straße. So ein paar kleine Rutscher gab es denn auch, zum Glück war da nichts Adrenalintreibendes dabei. Herbst eben....

Weiter ging es. Links und rechts der A13 schlängelten wir uns durch den Spreewald, an Luckau vorbei





immer weiter nach Süden in die Niederlausitz, bis wir pünktlich auf die angekündigte Minute (unserem Zu-Spät-Kommer sei Dank Wink) das Restaurant Erblehngut in Massen bei Finsterwalde erreichten.





Hier erwartete uns Christian Heinrich mit seinem Team und einer beinahe festlichen Tafel



Schnell waren die Getränke serviert und zügig kam dann auch das bestellte Essen.

An dieser Stelle ein Hinweis für alle Fotofreunde: durch ungeschickte (oder bewusste) Wahl der Perspektive kann man mittels des Weitwinkelobjektivs am Handy ein großes Wiener Schnitzel ziemlich klein erscheinen lassen



und umgekehrt einen saftigen Burger um so appetitlicher



Nach dem Essen waren wir uns einig: gute Küche, schneller und freundlicher Service. Das Erblehngut ist eine Empfehlung!

Nachdem unsere Gaumen zufriedengestellt und auch ordentlich Koffein nachgefüllt war, ging es auf die kurze Etappe zum Kunstgussmuseum



auf dessen Hof wir Platz für die Mopeds fanden





und wo wir schon erwartet wurden



Doch bevor es gleich reingeht, erst mal ein Blick in die Geschichte:

1725 wurde hier am Ort, der noch gar nichts davon wusste, dass er einmal Lauchhammer heißen würde, der erste Hochofen in Betrieb genommen. Damit begann die Industrialisierung der Niederlausitz. Gründerin und Chefin des Hammerwerks an den Lauchteichen war Benedicta Margareta von Löwendal. Die Dame war damals 42 Jahre alt, mit Woldemar Freiherr von Löwendal verheiratet, jedoch schon neun Jahre zuvor von Dresden nach Mückenberg in die Niederlausitz umgezogen und hatte dort das Schloss Mückenberg errichten lassen. Die vier Kinder des Paares waren alle noch im Kindesalter gestorben.

Grundlage des Hochofenbetriebs war das kurz zuvor entdeckte Vorkommen an Raseneisenerz, außerdem die reichen Holzbestände der Region sowie genügend Wasser. Der Freiherr überließ seiner Gattin die Rechte zur Nutzung des Eisenwerks. Zuvor hatte August der Starke überhaupt erst die Genehmigung zur Errichtung des Werks erteilt.

August der Starke? Ja, der war hier diensthabender Kurfürst und Herzog von Sachsen. Ober- und Niederlausitz gehörten ab dem Prager Frieden 1635 (danach tobte der 30-jährige Krieg in Teilen Europas noch weitere 13 Jahre bis zum westfälischen Frieden) nicht mehr zum Königreich Böhmen sondern zu Sachsen. Zu Brandenburg kam die Lausitz erst 1815 nach dem Wiener Kongress, der auf Napoleons wenig erfolgreichen Ausflug nach Moskau folgte.

Zur Gründungszeit des Hammerwerks also amtierte in Dresden August der Starke, während in Berlin und Potsdam Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, in unermüdlichem Fleiß Brandenburg gleichzeitig gewaltig aufrüstete und zu Sparsamkeit und Effizienz erzog.

Sein Sohn Friedrich II., der spätere Alte Fritz, der uns („natürlich“) im Museum begegnete



war gerade 13 als Frau von Löwendal das erste Eisen schmelzen ließ.

Zunächst ging es aber erst mal überhaupt nicht um Kunst. Frau von Löwendal ließ u.a. Ofen- und Kaminplatten gießen sowie „Pötte“ und „Pannen“, die zu Zeiten ihres Nachfolgers dann auch emailliert verkauft wurden.

Von Kunstguss war zu ihren Lebzeiten noch keine Rede. Erst ihr Universalerbe Detlev Graf von Einsiedel, der nach ihrem Tod 1776 die Leitung des Unternehmens übernahm und es umbenannte in „Gräflich von Einsiedel’sche Eisenwerke“, beschäftigte sich sehr bald auch mit dem Guss von Kunstgegenständen. So gelang hier 1784 der erste figürliche Hohlguss in Form der Kopie einer antiken Bacchantin.

Alles übrigens in Eisenguss erst mal. Mit Bronzeguss beschäftigte man sich erst in den 1830er Jahren. Den Durchbruch erzielte man 1838/39 mit dem Denkmal für die ersten christlichen Polenkönige Mieczyslav und Boleslav für den Posener Dom von Christian Daniel Rauchs. Die überragende Qualität dieser Arbeit begründete Lauchhammers Rolle als bedeutende Bronzegießerei.

Ach ja: Lauchhammer als Stadt gibt es erst seit 1953. Drei Jahre nachdem die Gemeinden Bockwitz, Lauchhammer, Mückenberg und Dolsthaida zur Großgemeinde Lauchhammer zusammengefasst wurden.

Zu dieser Zeit war dann auch nach dem Krieg die Kunstgießerei längst wieder in Betrieb, denn es gab einen großen Bedarf für Großstatuen, Denkmäler und Mahnmale.

Bis hierhin noch nicht erwähnt habe ich den Glockenguss. 1834 und 1839 wurde die beiden ersten Glocken aus Eisen gegossen, 1852 die erste Kirchenglocke. Wegen des besseren Klangs, vor allem aber der bedeutend besseren Haltbarkeit wurden bald auch Glocken in Bronze gegossen. Lauchhammer war ein sehr bedeutender Glockenhersteller in Deutschland. Eine große Zahl der Glocken wurde jedoch in den beiden Weltkriegen zu Mordwerkzeugen umgeschmolzen, so dass nur wenige Lauchhammer-Glocken aus der Zeit vor den Kriegen erhalten ist.

Vier Jahre nach der Wende wird hier wieder mit dem Glockenguss begonnen. Seitdem wurden hier über 800 Glocken gegossen, die schwerste wog ca. 8,3 Tonnen.

Die jüngere Geschichte der Gießerei ist von einigem Auf und Ab und mehreren Eigentümerwechseln geprägt. In den letzten Jahren war ein wesentliches Standbein der (eher technische) Bauguss. Kein Bruch mit der eigenen Geschichte allerdings, denn bereits im 19. Jahrhundert war man hier sehr aktiv im Bauguss unterwegs, Säulen, Brücken, Treppengeländer, einige Berliner Bahnhöfe erhielten gegossene Eisenstrukturen aus Lauchhammer und nicht zuletzt wurden von 1893 bis 97 für Berlin 320 Straßenpumpen gegossen.

Nicht zuletzt entstanden 1863 bis 1868 die gusseisernen Pavillons auf der Nilinsel, am Schloss al-Gazîra bei Kairo. International war man auch erfolgreich unterwegs...

Zurück in die Gegenwart:



Das heutige Museum besteht zum größten Teil aus dem Formenlager der Gießerei. Diese – in vielen anderen Kunstgießereien in Kellern und dunklen Regalen aufgestapelten – Formen, zumeist in Form von Gipsplastiken, sind hier für den Besucher zugänglich. Zusätzlich werden auch Skulpturen aus der Gießerei im Museum ausgestellt



Natürlich ist das Berühren der Ausstellungsstücke verboten – woran sich anscheinend nicht jeder (jede?) zu halten scheint



Interessierte Blicke



Relative Ähnlichkeiten



Papa Marx darf auch nicht fehlen



Kopflose Reiter gab es zum Glück nur im Museum und nicht auf der Piste



Übrigens: in regelmäßigen Abständen kommt ein Restaurator, um beschädigte Figuren auszubessern. Fehlende Gliedmaßen oder, wie hier, der Kopf, dürfen dabei nicht ersetzt werden. Eigenart des Denkmalschutzes.

Ausdrucksstarke Figuren







Nicht hängen lassen!



Sonst droht der Schatten der Geschichte



Und nicht zu vergessen: es ist Lutherjahr. Das (überlebens)große Standbild in Worms wurde auch in Lauchhammer gegossen. Nicht am Stück, wie alle anderen größeren Skulpturen ebenfalls nicht, sondern in Einzelteilen, die nach dem Guss zusammengefügt werden. Entsprechend sieht das Modell aus:







Woran man gar nicht so spontan denkt: bei solchen großen, hohlgegossenen Skulpturen ist eine eingebaute Statik notwendig, damit sie sich zum einen gut aufbauen lassen und zum anderen Wind und Wetter über Jahre trotzen können. So eine Statik sieht dann z.B. so aus:



So verließen wir das Museum schon mit Kennerblick



und folgten unserer Führerin in die Gießerei, wo uns der Gießereimeister erwartete, der uns in der Formenwerkstatt zuerst mal mit dem Unterschied zwischen Sandguss (den wir im Museum in einem Film kennengelernt hatten) und dem Wachsausschmelzverfahren vertraut machte, das insbesondere bei dünnwandigeren Bronzeskulpturen verbreiteter ist.

Bevor das alles hier viel zu viel wird: Sandguss und Wachsausschmelzverfahren sind im Netz detailliert und teils mit Videos beschrieben.

Wir folgten dem Meister also durch die Gießerei









Zwei Kollegen wollten nicht mit in die Gießerei und genossen den sonnigen Nachmittag



während wir zum Glockenguss kamen







Dabei wird eine Lehmform in eine Erdgrube eingebracht, also wiederum mit Innen- und Außenschale. Es gibt hier Schablonen, die die Wandstärke der Glocke exakt definieren, denn über Größe und Wandstärke wird der gewünschte Glockenton eingestellt. Hier eine solche Schablone (das Detail links in schwarz hat damit nichts zu tun)



Damit war unsere Führung schließlich beendet. Auf dem Weg nach draußen begegnete uns noch das eine oder andere Objekt jüngerer Fertigung, das ein schönes Weihnachtsgeschenk oder einfach eine nette Deko für die eigenen vier Wände werden könnte



Vor der Tour war ich ja mindestens stündlich bei allen nur denkbaren Wettervorhersagen unterwegs. Und wie auf den Bildern zu sehen ist: es wurde tatsächlich zunehmend trockener und sogar ein bisschen sonnig. Ein paar ganz wenige Tropfen fielen (wie angekündigt), als wir im Museum waren.

Nun ging es auf die Heimreise, mit einem kurzen Ritt von 30 km zur Tankpause. Hier kam es dann zur ungewollten Abweichung von der ursprünglichen Route. Die geplante Strecke nach Grünewalde war gesperrt. Die klassische kreisende Hand des Tourguides brachte uns über die „U6“ dann doch nach Grünewalde, ein bisschen mehr Kopfsteinpflaster als geplant und ähnlich schöne Kurven waren dabei.

Klar, Baustellen auch



Also: nächster Halt Doberlug-Kirchhain





Nachdem die edlen Rösser getränkt waren, gönnten wir uns noch ein paar Minuten zum Beine vertreten, bevor es auf die stramme Etappe nach Dobbrikow ging







wo wir dann mit der Abendsonne früh genug einliefen,



um noch unter freiem Himmel einen Kaffee zu trinken



Angesichts der teils heftigen Niederschläge, die mittlerweile aus Berlin gemeldet wurden, erfolgte die Heimreise dann schon ab Dobbrikow individuell.

Zumindest bis hierhin verlief die Tour ohne einen Tropfen von oben in Fahrt, bei abtrocknenden Straßen und zuletzt sogar mit richtig Sonne.

Es war eine richtig schöne Herbsttour, die mir sehr viel Spaß gemacht hat mit dieser recht kleinen und gut gelaunten Gruppe.

Viele Grüße

Ralf
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Gatower ✦✦✦✦
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BeitragVerfasst am: 08.10.2017, 18:59   Titel:

Lieber Ralf,
Danke für diese schönen Bericht.
Habe ihn mit schmunzeln gelesen.
Treffende Bilder mit launigen Smile Kommentaren Cool
Bis bald auf dem Asphalt oder Stammtisch.
Wir sind jetzt erst mal 2 Wochen Sonne tanken (Bathala).
_________________
Christian
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legrandalex ✦✦✦✦
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BeitragVerfasst am: 08.10.2017, 19:11   Titel:

schön habt Ihr gehabt ...
fast würde ich bereuen im Kreis Lippe gewesen zu sein ...

Xavier
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Stevie ✦✦✦✦
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BeitragVerfasst am: 09.10.2017, 06:53   Titel:

Hallo Ralf, toller Bericht der mich gleich mal zum Schmunzeln bringt. Hat Riesen Spaß gemacht. Danke für Alles.
_________________
Stevie
Einfach nur glücklich
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BeitragVerfasst am: 10.10.2017, 17:38   Titel:

Hallo Ralf,schönen Dank für deinen Bericht.Ja auch ich mußte immer Mal Schmunzeln.Danke an dich und an die Mitfahrer.

Gruß Jürgen
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